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Geschichte der Nosodentherapie

Nosoden
Nosodentherapie

Das Prinzip der Nosodentherapie ist eigentlich eine Mischung aus der Homöopathie (Ende 18 Jh. von Samuel Hahnemann begründet) und dem Impfprinzip (Ende 18 Jh. von Edward Jenner begründet). Demzufolge ist die Begründung der heute angewendeten Nosodentherapie zeitlich an die Etablierung beider Heilmethoden gebunden.

Die eigentliche Geburtsstunde der Nosodentherapie liegt mit Sicherheit viel weiter zurück, ist aber bis heute nicht exakt datiert. Die Idee, Krankheiterreger als Heilmittel zu verwenden ist eigentlich schon sehr alt. Vor allem die Geschichte Pockenseuche und die damals ungewöhnliche Art sie zu bekämpfen, indem man Körperflüssigkeiten Kranker den Gesunden in Wunden applizierte, gilt als Grundstein für die Entdeckung und Entwicklung der modernen Nosodentherapie. Ich möchte Ihnen hier chronologisch einige Eckpunkte der Medizingeschichte der Nosodentherapie bis in die heutige Zeit anführen.

Um 800 v. Chr. waren schon die ersten einfachen Formen der Nosodentherapie bekannt. Die Chinesen verwendeten Pockensekrete von Menschen, die bereits die Krankheit überstanden haben, zur Vorbeugung. Der Inhalt der Pusteln wurde entnommen und verdünnt. Das Präparat ritzte man vorbeugend unter die Haut. In einer anderen Variante wurde der Schorf der Pusteln verrieben, getrocknet und aufgeschnupft.

Um 380 v. Chr. schreibt Hippokrates (460 v. Chr. - 370 v. Chr.) in einer Abhandlung über die Körperteile des Menschen Vomitus vomitu curatur (Übles werde mit üblem geheilt).

1638 Robert Fludd (1574 - 1637) war ein britischer Philosoph und Mediziner. In seinem postum erschienen Werk "Philosophia Moysaica" beschrieb Fludd die Behandlung Schwindsüchtiger mit Verdünnungen ihres Auswurfs.

Lady Mary Wortley Montagu brachte die Pockenimpfung nach Europa
Lady Mary Wortley Montagu

1721 Lady Mary Wortley Montagu (1689 - 1762) war Schriftstellerin und die Frau eines britischen Diplomaten. Sie folgte ihren Mann, der als Botschafter am Osmanischen Hof tätig war, nach Konstantinopel. Lady Montagu wurde dort Zeugin von Pockenimpfungen, bei denen Flüssigkeiten aus Pockenbläschen Kranker in die Haut Gesunder geritzt wurde.
1721 brach in England die Pockenepidemie aus. Lady Mary Wortley Montagu verlor durch die Epidemie ihren Bruder und entschied sich ihre Tochter impfen zu lassen. Niemand traute der merkwürdigen Heilmethode. Nach der erfolgreichen Impfung ihrer Tochter, versuchte sie, die Pockenschutzimpfung in Adelskreisen zu proklamieren. Der Leibarzt des Königs Georg I. erfuhr davon und sie erreichte schließlich, dass man Impfversuche an sechs zum Tode verurteilten Gefangenen vornahm. Damals angesehene Ärzte beobachten die Experimente. Die Gefangenen überlebten alle. 1722 wurden sogar auch die Töchter des Prince of Wales dem späteren Georg II. geimpft. Trotz des Erfolges verbreitete sich das Verfahren aufgrund medizinischer, moralischer und religiöser Bedenken nur sehr zögernd in den europäischen Adelshäusern.
Lady Mary Wortley Montagu gilt heute als die Person die die Impfung mit intakten Pockenviren nach Europa brachte.

Jan Ingenhousz praktizierte als erster das Impfverfahren in Europa
Jan Ingenhousz

1765 Jan Ingenhousz (1730 - 1799) ein niederländischer Arzt, Chemiker und Botaniker war ein großer Anhänger der von Lady Mary Wortley Montagu nach Europa gebrachten Pockenschutzimpfung. Er gilt als erster der erfolgreich mit diesem Impfverfahren in Europa praktizierte. Jan Ingenhousz entnahm an einer milden Form der an Pocken erkrankten Personen das Virus und impfte es vorbeugend Gesunden.
Während einer Pockenepidemie 1767 in Hertfordshire impfte er erfolgreich ca. 700 Personen. Der Erfolg sprach sich in Adelskreisen rum und die Familie Georg III. (König von Großbritannien und Irland) sowie auch die Familie von Maria Theresia (Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen) einschließlich ihrer Tochter Marie Antoinette ließen sich von Jan Ingenhousz impfen. Er wurde schließlich Leibarzt von Maria Theresia.

1791 Peter Plett (1766 - 1823) war ein einfacher deutscher Hauslehrer ohne besondere medizinische Ausbildung. Er arbeitet auf verschieden Gutshöfen in der Probstei. Der ländlichen Bevölkerung war damals schon bekannt, dass man beim Melken von mit Kuhpocken infizierten Kühen angesteckt wird aber nach dem relativ harmlos durchstandenen Krankheitsverlauf keine gefährlichen Menschpockeninfektion (damals auch Schwarze Blattern genannt) mehr bekam.
Bei dem Gutpächter Martini auf Hasselburg im Gut Wittenberg unternahm er Versuche an zwei Töchtern und einem Sohn des Gutpächters. Er entnahm vom Euter einer erkrankten Kuh Pockenmaterial und impfte es den Kindern zwischen Daumen und Zeigerfinger in eine Wunde. Der erwartet leichte Krankheitsverlauf verlief ohne Probleme.
Einige Jahre später traf Peter Plett den Gutsbesitzer wieder und erfuhr, dass die Kinder die von ihm geimpft wurden, keine schlimme Pockenerkrankung mehr bekamen, während deren Geschwister die nicht geimpft wurden, schlimme Krankheitsverläufe durchstehen mussten.
Peter Plett berichtete seine Entdeckung der Universität Kiel, die die Ideen eines einfachen Landlehrers aber nicht ernst nehmen wollte. Erst fünf Jahre später wurde Antony Jenner, ein angesehener englischer Veterinär mit Kontakt zur medizinischen Fachwelt mit demselben Verfahren der Kuhpockenimpfung weltberühmt.
Durch Peter Plett wurde somit die erste Kuhpockenimpfung der Medizingeschichte dokumentiert.
Die richtige weltweite Anerkennung blieb ihm aber verwehrt.

Edward Jenner gilt als Begründer des Impfprinzips
Edward Anthony Jenner

1796 begründete der englische Tierarzt Dr. Edward Anthony Jenner (1749 - 1823) das heute noch angewandte Impfprinzip der Aktiv-Impfung.
Beim diesem Impfprinzip wird mit einer vorbeugenden Impfung von stark abgeschwächten, getöteten oder fragmentieren Krankheitserregern eine Immunreaktion auf die zu erwartende selbe Krankheit hervorgerufen. Der Körper lernt nach einer Impfung schon mal mit den gleichen Erregern in der Zukunft umzugehen und bildet dabei Antikörper und Gedächtniszellen. Edward Jenner gilt als Entwickler eines zuverlässigen Verfahrens der modernen Schutzimpfung gegen Pocken beim Menschen.
Ende des 18. Jahrhunderts war es zum Teil in der ländlichen Bevölkerung bekannt, dass Melkerinnen die sich mit dem harmlosen Kuhpockenvirus infiziert hatten sich nicht mit den gefährlichen Menschenpocken infizierten. Edward Jenner wandelte die Impfmethode der Chinesen ab und infizierte dem Jungen James Phipps Kuhpockenlymphe. Seine Methode der künstlichen Immunisierung wurde anfangs noch belächelt, setzte sich aber später durch und verbreitete sich in ganz Europa.

1796 Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755 - 1843) begründet das homöopathische Heiverfahren. Bei der Homöopathie von Hahnemann wird Ähnliches durch Ähnliches geheilt. Die Auswahl des Heilmittels erfolgt auf der Annahme, dass es bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen könne wie die, an denen der Kranke gerade leidet. Beim Impfprinzip wird mit einer vorbeugenden Impfung von stark abgeschwächten bzw. auch getöteten Krankheitserregern eine Immunreaktion auf die zu erwartende selbe Krankheit hervorgerufen.

Wilhelm Lux gilt als Begründer der Nosodentherapie.
Johann Joseph Wilhelm Lux

Um 1814 wandte sich der Leipziger Tierarzt Dr. Johann Joseph Wilhelm Lux (1773 - 1849) der Homöopathie zu. In der Zeit von 1814 bis 1819 war er u.a. Privatdozent an der Universität Leipzig mit einer Vorlesung über Tierheilkunde. Wilhelm Lux war der erste Tierarzt der sich mit Homöopathie beschäftigte und gilt auch als Gründer der Veterinärhomöopathie.

Um 1820 wandelte Wilhelm Lux dann das klassische Impfprinzip in ein homöopathisches Impfprinzip um und versuchte einen homöopathischen Impfstoff zur Behandlung der Rinderpest und des Milzbrandes zu entwickeln. Er experimentierte mit dem Blut oder den Ausscheidungsprodukten kranker Tiere. Blut, Kot, Urin, Speichel oder Schweiß bereitet er homöopathisch auf und hoffte nicht nur auf eine Immunwirkung sondern auch auf die direkte Heilung der zu behandelnden Krankheit. Diese ersten Versuche von Wilhelm Lux gelten heute als Anfänge der klassischen Nosodentherapie.

Constantine Hering prägte den Begriff Nosode.
Constantin Hering

Um 1830 wurde von dem amerikanischen Arzt Constantin Hering (1800 - 1880) erstmals der Begriff Nosode geprägt. C. Hering stammt wie Samuel Hahnemann und Wilhelm Lux gebürtig aus Sachsen und wurde durch Heilerfolge am eigenen Leib schnell ein großer Anhänger der Homöopathie. Er unternahm später Studien- und Forschungsreisen und betreute über mehrere Jahre als Arzt ein Hospital in Südamerika. Er behandelte erfolgreich Lepra und verschiedene Tropenkrankheiten. Constantin Hering führte akribisch und sorgfältige zahlreiche Arzneimittelprüfungen an Gesunden durch, dokumentierte dabei u.a. die Wirkung der homöopathischen Aufbereitungen von Schlangengift und pathologischen Organgewebe und führte den Begriff Nosoden ein.

1833 entnahm Constantin Hering z.B. den Eiter von den Pusteln eines jungen Mannes der an Krätze mit großen Blasen litt. Der Eiter wurde in Weingeist aufgelöst und potenziert. Mit dieser Substanz führte er heute noch als Standard geltende Arzneiprüfungen an Gesunden durch. Er führte auch Arzneiprüfung mit dem infektiösen Speichel eines an Tollwut erkrankten Hundes durch. Nachdem er sich von der Wirksamkeit seines daraus entwickelten Mittels überzeugte, heilte er erfolgreich tollwutkranke Hunde sowie Geschwüre nach Bissen von erkrankten Hunden. Er stand im regen Briefkontakt mit Hahnemann und anderen führenden Homöopathen und ergänzte so die von Hahnemann entwickelte homöopathische Arzneimittellehre (Materia Medica).

Um 1833 führten die Studien und Experimente von Wilhelm Lux dann endlich zu einem Durchbruch und zu einigen maßgeblichen Veränderungen der damals klassischen homöopathischen Heilmethode. Er entwickelte für einen ungarischen Gutsbesitzer homöopathische Heilmittel gegen Räude und Rotz. Wilhelm Lux entnahm einem an Räude erkrankten Tier Blut und einem an Rotz erkrankten Tier Nasenschleim. Er potenzierte bis zu dreißigmal (Potenz C30) und verabreichte den erkrankten Tieren die Präparate (Nosoden) innerlich.
Wilhelm Lux hatte Erfolg und begründete somit die Isopathie. Für ihn galt nicht mehr der klassische homöopathische Grundsatz "Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden" (Similia similibus curentur) sondern "Gleiches möge mit Gleichem geheilt werden" (Aequalia aequalibus currentur). Man entnimmt einem Kranken den gleichen krankheitserregenden Stoff und verabreichte ihn in potenzierter Form wieder. Samuel Hahnemann kritisierte anfänglich diese Abänderungen seiner homöopathischen Grundsätze stark und verurteilte sie auch als "Unheil und Verschlimmerung der Krankheit". Erst viel später rang er sich zu einer abwartenden Haltung durch.

...wird fortgesetzt.


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