RHUS TOXICODENDRON
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Urushiol

Urushiol ist ein Pflanzenwirkstoff. Die Substanz ist eines der stärksten Kontaktallergene und kommt insbesondere im Giftsumach (Rhus toxicodendron L.) vor sowie in weiteren Pflanzen aus der Familie der Anacardiaceae (Mango, birmanischer Lack Baum, Rengas Baum). In sehr geringen Mengen ist Urushiol auch im Ginkgo (Ginkgo biloba) und dem Essigbaum (Rhus typhina) enthalten. Allergologisch relevant sind die Urushiolmengen in diesen Pflanzen aber nicht.

Urushiol - Giftsumach
Milchsaft mit Urushiol tritt aus Giftsumach aus
und oxidiert an der Luft.

Urushiol befindet sich überwiegend im Milchsaft der Pflanze und ist auch noch in abgestorbenen Pflanzenteilen bis zu fünf Jahren wirksam. An der Luft polymerisiert die Substanz innerhalb von ca. 5 Minuten zu einer dunklen Masse. Die rasche Dunkelbraunfärbung des Urushiol enthaltenden Milchsaftes ist typisch und ein recht zuverlässiges Erkennungsmerkmal für den Giftsumach. Ein Test sollte allerdings unbedingt mit Handschuhen erfolgen.

Urushiol - Ausschlag
Durch Urushiol hervorgerufene
Kontaktdermatitis nach 2 Wochen

Das Urushiol verursacht schon beim geringste Kontakt mit der Pflanze bei den meisten Menschen einen Hautausschlag, den man als Urushiol-induzierte Kontaktdermatitis, Toxicodendron-Dermatitis oder auch Rhus-Dermatitis bezeichnet.
Bereits ein Nanogramm (milliardstel Gramm) Urushiol kann schon zu Hautreizungen führen. Theoretisch würden zehn Gramm Urushiol ausreichen, um bei der gesamten Weltbevölkerung Hautausschlag zu verursachen.
Besonders in den U.S.A. registriert man jährlich laut der American Academy of Dermatology bis zu 50 Millionen Fälle von Ausschlag, Juckreiz, Entzündungen, Nässen, und in schweren Fällen auch Verbrennungen, verursacht durch Kontakt mit dem gefährlichen Pflanzenwirkstoff.

Chemisch ist Urushiol eine Mischung aus Katechol-Derivaten mit gesättigten oder ungesättigten Ketten von 15 oder 17 Kohlenstoffatomen. In den Pflanzen kommt dabei immer ein Gemisch verschiedener Urushiole vor, wobei meist das Urushiol I und III den Hauptbestandteil ausmachen. Urushiol I ist in seiner gesättigten Form als einzige Substanz ein Feststoff.

Urushiol: Skelett- und Summenformel
Urushiol

Urushiol I: Summenformel: C21H36O2
Molmasse: 320,5 g/mol

Urushiol II: Summenformel: C21H34O2
Molmasse: 318,5 g/mol

Urushiol III: Summenformel: C21H32O2
Molmasse: 316,5 g/mol

Urushiol IV: Summenformel: C21H30O2
Molmasse: 316,5 g/mol

Urushiol V: Summenformel: C21H30O2
Molmasse: 316,5 g/mol

Urushi

Urushiol - Urushi
Schmuckdose mit Urushi lackiert

Aus dem Lackbaum (Rhus vernicifera) wird traditionell ein gelblisches Harz extrahiert und als natürlicher Lack verwendet. Dieses Harz enthält ebenfalls Urushiol. Die Herstellung und Verwendung des Lackes gilt in China und Japan als Kunsthandwerk und wird Urushi genannt. Urushiol ist letztendlich von Urushi abgeleitet worden. Nachweise für diese Tradition lassen sich etwa 6000 Jahre zurückverfolgen.

Der natürliche Lack kann durch den Urushiolanteil in seiner noch flüssigen Form allergische Reaktion verursachen. Ausgehärtet ist Urushi aber völlig ungefährlich und schützt zuverlässig vor Wasser, Alkohol, Salzen und Säuren. Urushi besticht optisch durch seinen hervorragenden Glanz und seine Transparenz. Der Lack ist langlebig und robust gegen Hitze bis zu 250º Celsius. Urushi-Lack bekommt durch seine Dauerelastizität keine Risse, ist lebensmittelecht und schützt in tropisch feuchten Regionen vor Schimmelbildung.

UV-Licht in Form von starker oder ständiger Sonneneinstrahlung verträgt Urushi allerdings nicht und es kann so doch zu feinen Haarrissen und zu ermatteten Stellen im Lack kommen. Traditionell verpackte man kostbare mit Urushi lackierten Gegenstände zum Schutz vor UV-Strahlen in Seide.

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